Mai – Dezember 2012

06.05.2012

Vogelstimmenwanderung im Morgengrauen

Erster Sonntag im Mai um 7, leichter Nieselregen. Astheim schläft. Aber es gibt Menschen, die auf das NABU-Haus zustreben. Zum Glück ist die Tür geöffnet, denn der Regen wird intensiver. Ob noch mehr kommen? Und ob. Der Raum füllt sich. Aus Rüsselsheim kommt Klaus Steinbrenner und bringt ein großes Ölbild mit. Es wird ordentlich aufgestellt, und die Teilnehmer erkennen gleich: das ist die Dohle, der Vogel des Jahrs 2012. Klaus Steinbrenner malt jedes Jahr den Vogel des Jahres, und er erklärt: Die Dohle ist der kleinste der Rabenvögel. Sie nistet in Spechthöhlen oder alten Gebäuden, Ruinen und Kirchtürmen. Auf dem Bild kreisen Dohlen um eine Burg, die den Backsteinburgen des Deutschen Ritterordens in Ostpreußen nachempfunden ist. Dohlen leben monogam und bleiben ein Leben lang zusammen.

Während im Innern des Hauses dem Maler durch Händeklatschen Beifall gezollt wird, hört man durch die geöffnete Tür das Klappern der Störche, und das zieht die Vogelfreunde hinaus. Schade, dass es in Astheim keine Dohlen gibt. Aber die Nachtigall meldet sich mit stimmgewaltigem Schluchzen. Die Bäume in ihrem Frühlingsgrün leuchten im Regengrau besonders intensiv, intensiver als die bunten 17 Regenschirme. Mit der Nachtigall konkurriert die Mönchsgrasmücke. Es geht auf den Damm. Hier fällt ein Stieglitz auf, der in den alten Obstbäumen herumhuscht. Im Storchennest soll es vier Junge geben. Aber sie suchen unter der Storchenmama Schutz, während der Storchenpapa mit vollem Schnabel einfliegt und leckere Atzung für die Familie auswürgt. Von Pirol zu Pirol geht es weiter. Ihre Flötentöne begleiten uns, während die Vögel selber unsichtbar bleiben. Das gilt auch für den kleinen, aber stimmgewaltigen Zaunkönig. Die Gartengrasmücke singt etwas tiefer und gleichmäßiger als ihr Verwandter, der Mönch. Dann kräht ein Hahn. Astheim hat noch dörflichen Charakter.

Kurz vor dem Schwarzbach geht es durchs feuchte Gebüsch auf eine Lichtung mit einem grünen Teppich kniehoher frischer Bennnesseln. Das war mal die Müllkippe, als Astheim noch kleiner und die Altastheimer noch jünger waren. Ein Mast mit verschiedensten Vogelwohnungen ragt in den grauen Himmel. Die umgebenden Bäume bieten originellste Vogelhäuser an. Architekt und Baumeister ist Hennes Mundschenk, der die verschiedenen Funktionen für die sehr verschiedenen Ansprüche der ganz verschiedenen Vogelarten erläutert. In der Schirn in Frankfurt würde diese Ausstellung manche Preise einholen; aber nützlicher und schöner ist sie hier versteckt in Astheim.

Es geht über den Schwarzbach. Da schnarrt der Teichrohrsänger. Am Schlagweg sollte uns das Braunkehlchen erwarten; es scheint schon weitergezogen zu sein. Aber was da auf dem alten Pfahl hockt, das ist ein Neuntöter. Er bleibt auch da geduldig und lässt sich durch das Spektiv in seiner ganzen Schönheit betrachten.

„Mehr geht nicht!“ freut sich Dietmar Sellner. Aber da zirpt noch jemand: der Feldschwirl. Und nun wird kehrtgemacht; denn im NABU-Haus gibt es Brot und Wurst und Käse und Getränke. Über zwanzig Wanderer finden Platz.

Und die Namen von 41 Vogelarten kann Dietmar Sellner verlesen. 

 

Kaj Wechterstein 


20.05.2012


10.06.2013

   Es waren 25 Personen, nicht nur Treburer und Astheimer, die sich am Sonntag früh auf dem Kerbeplatz in Astheim trafen, um dann geradewegs auf die frisch renovierten Deiche zuzustreben. Doch wo es überall grünt und blüht, können Naturfreunde nicht achtlos vorübereilen. Die großen Weiden am Schwarzbach geboten Halt und boten Alfred Kunert Gelegenheit, aus seinen vielfachen Begebenheiten mit Weiden zu berichten. Die Kopf- und Silberweiden erreichen, beschnitten und unbeschnitten, gewaltige Ausmaße und gewaltiges Gewicht.

   Dann stoppte er die Gruppe an einer unscheinbaren Stelle neben der Straßengabelung, wo aus Bauschutt eine Vegetation sprießte, an der nichts Bemerkenswertes zu sein schien. „Das ist typisch für das Anfangsstadium, in dem sich die Natur ihr Gelände zurückerobert. Alfred Kunert angelte eine Pflanze heraus: „Das ist der „Das ist der weiße Gänsefuß oder Melde, genauso essbar wie der ‚Gute Heinrich’ als Salat oder Wildgemüse“.

   „Wo ist denn hier der Deich?“ fragte jemand. Vor lauter Grün war er kaum noch zu erkennen. Unterhalb des Neudammlochs wurde halt gemacht. Alfred Kunert bückte sich, pflückte – und eine Handvoll unscheinbarer Pflanzen ringelten sich um seinen Arm.“ Diese Winden und der Knöterich, das sind typische Pflanzen für Ackerboden“, erklärte er. „So zeigen die Pflanzen auch, woraus diese Deichschicht besteht“.

   Dann ging es die Deichkrone entlang. Es leuchtete violett und gelb in wunderbarem Kontrast. Bienenfreund und Färberkamille haben sich in unglaublicher Fülle breit gemacht. „Vor ein paar Wochen haben wir uns noch Gedanken gemacht, ob wir bei dieser botanischen Erkundung überhaupt etwas finden würden, und jetzt das“, freuten sich Hans-Lorenz Heck und Dietmar Sellner.

   Alfred Kunert strebte weiter. Vor der Deichsanierung hatte er aus diesem Deichabschnitt ein paar der wertvollsten Pflanzen nach Trebur in Sicherheit bringen lassen. Im Dezember waren sie in einer Pflanzaktion von NABU Trebur und Astheim wieder angesiedelt worden. In den Treburer Nachrichten war zum Jahreswechsel davon zu lesen.

Bericht in den Treburer Nachrichten

Was war daraus geworden?

   Die umgesiedelten Grassoden mit ihrem wertvollen botanischen Inhalt waren in dem grünen Gewucher am Fuße des Deiches nur schwer auszumachen. Aber einiges zeigt sich: vor allem die Bastardschwertlilie, die hier ihren nördlichsten Standort hat, wurzelt wieder und ebenso die knollige Kratzdistel. Auf das Zittergras muss man noch warten und ebenso auf den Haarstrang mit seinem Schmetterling.

   Es lohnt sich auf jeden Fall, den Deich im nächsten Jahr wieder botanisch zu erkunden; „Denn“, so versichert Alfred Kunert, „er hält noch viele Überraschungen bereit. Leider gibt es auch unangenehme Überraschungen“, fährt fort und führt die Gruppe zur „Orchideenwiese“. Hier wächst die „Breitblättrige Stendelwurz“. Ein wunderschöner Weg entlang einem alten Zubringer zum Rhein führt dorthin, der Weg frisch gemährt, aber leider ist auch der Großteil der Orchideenwiese, noch bevor die Orchideen blühen konnten, abgemäht. Alfred Kunert hatte den Astheim-Erfelder Entwässerungsverband genau über diesen schützenswerten Standort informiert. Er sollte erst zu Ende des Jahres gemäht werden, wenn die Pflanzen ihre Samen ausgesät haben. Aber von dem Mähgerät aus gesehen ist alles nur gleich grün.

Wer sich jedoch an diesem veranstaltungsreichen Junisonntag der Führung von Alfred Kunert angeschlossen hatte, der staunte über seine unglaubliche Pflanzenkenntnis verbunden mit einer großen Kenntnis der heimatlichen Natur und einer großen Liebe zur heimatlichen Natur.

   Es lohnt sich, auf ihn zuhören, nicht nur beim NABU, sondern auch sonst.

Schließlich ging es zum Haus der Astheimer NABU, dem Margareta-Schenkel-Haus. Da hatten vier weibliche Hände die Tische im schattigen Grün gedeckt. Die Wanderer staunten und freuten sich über Sprudelwasser mit Holundersirup, über Saft und Wein, über Brot und Kräuterquark und Hausmacher Trewwerer Wurst von vegetarischen Rindern.

   „Prost auf den Deich und die Pflanzen und den Pflanzenkenner. Nächstes Jahr schauen wir nach, was die Natur bis dann da getrieben hat“! sagte Dietmar Sellner zufrieden.

 

Kaj Wechterstein

Schriftführer 

 


im Juli 2012

NABU gibt Tipps zur Ersten Hilfe bei Fledermaus-Findlingen

Mit der Geburt der Jungen in den ersten Junitagen beginnt für Fledermaus-Mütter in ihren Sommerquartieren, den „Wochenstuben“, eine aufregende Zeit. Bis zur Selbständigkeit der Jungtiere Ende August müssen sie sich intensiv um ihren Nachwuchs kümmern. Dabei kommt es immer wieder vor, dass einzelne Jungtiere verwaisen, abstürzen oder geschwächt am Boden liegen. „Ohne die Hilfe der Menschen können solche Fledermaus-Findlinge nicht überleben“, erklärt Petra Gatz, Fledermausexpertin des NABU Hessen.

 

Am häufigsten träfen Menschen auf Zwergfledermäuse, die ihre Quartiere überwiegend an Gebäuden eingerichtet haben. Eine erwachsene Zwergfledermaus wiege fünf Gramm und sei gerade einmal daumengroß. Neugeborene Zwergfledermäuse seien in etwa so groß wie ein Gummibärchen. „Fledermäuse sind für den Menschen völlig ungefährlich. Als flinke Nachtjäger stehen ausschließlich Insekten und Spinnentiere auf  ihren Speiseplan“, so Gatz.

 

Wer einem Fledermaus-Findling helfen wolle, solle sich auf „Erste-Hilfe-Maßnahmen“ beschränken und die weitere Betreuung fachkundigen Fledermaus-Experten in die Hand geben. „Überall in Hessen stehen NABU-Fledermausexperten bereit, sich der Findlinge anzunehmen und sie fachgerecht wieder hochzupäppeln“, erläutert Gatz. Sie sorgten dafür, dass das Pflegetier wieder möglichst rasch in Freiheit gelassen werde.

Als „Erste-Hilfe-Maßnahmen“ für Fledermaus-Findlinge empfiehlt Gatz, die Tiere möglichst mit dünnen Handschuhen oder einem weichen Tuch vorsichtig aufzunehmen und in eine Schachtel mit Luftlöchern zu setzen. Die Luftlöcher sollten sehr klein und die Schachtel bis auf die Luftlöcher gut und dicht verschlossen sein, da Fledermäuse wahre Ausbruchskünstler seien. In die Schachtel sollte man ein kleines weiches Tuch – z.B. Küchenrolle – als Versteckmöglichkeit und ein flaches Behältnis mit etwas Wasser legen. Hierzu eigne sich ein Deckel von einem Marmeladenglas sehr gut. Anschließend sollte die Schachtel an einen kühlen, katzensicheren Ort gestellt werden.

Weitere Maßnahmen, so Gatz, sollten dann von fachkundigen Personen durchgeführt werden. Denn nun gehe es darum, zu beurteilen in welchem Zustand sich der Findling befinde, ob es ein Jungtier sei, das noch gesäugt werde, oder ob es eventuell Verletzungen aufweise. Anschließend müsse entschieden werden, wie der Fledermaus am besten zu helfen sei. Wer einen Fledermaus-Findling aufliest, kann sich an die Fledermaushotline beim NABU Hessen wenden. Unter der Fledermaus-Hotline 01577-4153954 werden regionale Ansprechpartner und Experten der NABU-Landesarbeitsgruppe Fledermausschutz vermittelt und alle Fragen rund um Fledermäuse beantwortet.      

 

Petra Gatz

Fledermausexpertin

Tel.: 06441-67904-25

Fledermaus-Hotline: 01577-4153954

 


19.08.2012

Sommerfest im Schatten.

Sonntag, 19. August, kurz nach 8 vor dem NABU-Haus.

    Erwartet wird der heißeste Tag des Jahres. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sommerfestes treffen ein, und die Stimmung ist kaum zu toppen. Wie bei einer Prozession werden die Zelte herbei getragen. Dieses Jahr dienen sie nicht als Regen-, sondern als Sonnenschutz. Bänke und Tische werden herangekarrt.
Werden sie bei der angekündigten Hitze alle besetzt werden?

   Der Holzschnitzer Wilfried Hahn stellt voll Freude über seine Arbeiten seine Vögel auf. Neuster Zugang ist die  Wasseramsel. Der Barfußpfad kommt dieses Jahr gleich an den Eingang. Gegen 10 Uhr treffen die Kuchen ein. Dann wird es ruhig: schnell nach Hause und umziehen; denn es wird heiß.

   Punkt 11 Uhr klapperte es vom Storchennest: Große Freude und Beifall. So muss ein NABU-Fest unter dem  Storchennest eröffnet werden. Und die Menschen kamen.

Ingrid Münch lockte zum Barfußpfad. Manch ältere Besucherin ließ sich verlocken, entblößte ihre Füße und ertastete Kies und Heu, Tannenzapfen und Holzwolle und schließlich besonders wohltuend: feuchtes skandinavisches Rentiermoos. Das tat den Füßen gut.

   Drei Stände gab es für Kinder: unter den Vogelbildern von Bruno Roth die Fragebögen nach den  Vögeln.  Umseitig Quizfragen: zum Bespiel nach dem Wappentier des NABU. Die Nachtigall war es nicht. Zeigten sich die Eltern zu unsicher bei der Hilfe, griff Hans-Lorenz Heck wegweisend ein. Dann kamen die Fühlkästen, wo auch mancher Vater gerne nachgefühlt hätte. Aber durch ihre Öffnungen passten nur Kinderhände.

   Bei Gesine Wechterstein und Käthe Breideband wurden Eulen und Fledermäuse gebastelt. Da brauchte man geduldige Anleitung und geschickte Finger.

   Den großen Kühlschrank verwaltete Hermann Studener. Um ihn sammelten sich in schattigen Winkeln die Rentner, die das Bier aus der Flasche genossen wie in alten Zeiten, als es noch die Arbeit munterer machen durfte. Rindswurst und Würstchen gab es gleich nebenbei. Und dann kam die Nudelküche  mit verschiedenen Zutaten unter der erfahrenen Leitung von Eva Sellner und ihren erfahrenen Gehilfinnen. Der Abwasch war auch Männersache. Und für Schwung in und um die Küche und für die nötige Aufsicht und Übersicht sorgte Ulle Heck. Ihr war auch der Inhalt der Kuchentheke zu verdanken, ihr und natürlich den altbewährten Spenderinnen, aber nicht nur ihnen, sondern auch einigen neuen Mitgliedern, die zu ihrer Freude oder zu ihrer Überraschung von Ulle Heck angesprochen waren.

   Wie in den Vorjahren nutzte Käfervater Wolfgang Müller die Mittagszeit, um aus dem Leben der Hirschkäfer zu berichten.

   Dann rief Hans-Lorenz Heck die Kinder zusammen. Sie durften sich als Belohnung für ihre gut ausgefüllten Fragebögen Geschenke auswählen, die auch in diesem Jahr großzügig von vielen Firmen gespendet waren. Über zwanzig Kinder hatten sich beteiligt, obwohl dieser Sonntag für Kinder eindeutig ein Schwimmbadsonntag war.

   Das Thermometer kletterte auch im Schatten der hohen Bäume um das NABU Haus.

31, 32, 33, 34° – die Reihen leerten sich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durften sich setzen, sich den Schweiß abwischen und die letzten Schätze aus der kühlen Kuchentheke probieren.

33, 32, 31° – das Abbauen klappte wie das Aufbauen. Nur als die Tischordnung für den harten Kern der Verantwortlichen gesucht wurde, zeigten sich Ermüdungserscheinungen. Die wichen aber, als die Spendenkästen geleert und ihr Inhalt gezählt wurde. Fast nur Scheine! „Das Vertrauen in die Spendenbereitschaft unserer Gäste macht sich bezahlt“, stellte Dietmar Sellner fest. Dann wurde reihum Resümee gezogen: Überall ein glückliches Resümee. Nicht einmal das Wetter wurde kritisiert! 

 

Kaj Wechterstein

Schriftführer 

 

20.10.12

29.09.2012

25.09.2012

NABU Astheim: Heufest, ein seltener Spaß

  Am Samstag war Heuwetter und so starteten wir frohgemut nach den vorausgegangenen Regentagen. Allmählich fanden sich Kinder mit Eltern ein und um 15 Uhr hatten wir volle Hütte - äh- Wiese. Das Heu wurde in Bahnen gerecht, zunächst nur zögerlich. Als dann der große Heuhaufen sich zu formen begann, waren alle bei der Sache und schafften Heu heran. "Hierher, hierher, hierher" so forderten die Kinder den Abwurf des Heus über ihren Köpfen - herrlich, so eine Heudusche. So ein Heuhaufen ist doch etwas ganz anderes als eine Hüpfburg!

  Der Haufen wurde durch Herumtoben immer flacher, aber in Wirklichkeit waren viele "Suchameisen" zugange, die nach dem verloren gegangenen Ring von Heuprinzessin Stella suchten und das Heu auseinanderzogen - alles ohne Erfolg. So waren Freud und Leid nah beieinander. 

 

Dietmar Sellner

 

NABU Astheim und Grundschule Im Hollerbusch auf Wanderung

  Zu Herbstbeginn meldet man sich von der Grundschule Im Hollerbusch regelmäßig bei Dietmar Sellner, dem Vorsitzenden des NABU Astheim, und fragt an, ob man miteinander einen Wandertag gestalten könnte. Im NABU kennt man die Natur und das Gelände um Astheim und da wird beraten und geplant. Für die Kleinen ist es klar: da geht es mit Frau Käthe Breideband und Frau Gesine Wechterstein den Damm entlang rund um Astheim bis zum NABU-Haus. Gesine Wechterstein weiß, was es da an Früchten des Herbstes zum Basteln gibt, und es gibt auch Tische und Bänke zum Frühstücken.

  Für das 3. und 4. Schuljahr wird ein Ziel, das weiter liegt, ausgesucht. Diesmal war es das Gelände der Naturschützer in Bauschheim. Dazu mussten Wegstrecken erkundet werden, denn der Weg darf nicht zu lang und auch nicht zu langweilig sein.

Beobachter war wie immer der radelnde Reporter.

  Kurz vor acht am Dienstag (25.9.) war auf dem Schulhof alles bereit. Gelassen ließen die Lehrerinnen ihre Kinder sich aufstellen. Freundlich schauten die NABU-Leute zu. Skeptisch blickte der radelnde Reporter auf den Himmel. Klasse um Klasse wanderte frohgemut los, die Älteren nach rechts, die Kleineren nach links. Der Reporter radelte nach links und auf den Damm. Und als der lange Zug der Kleinen dort ankam, waren viele kleine Regenschirme aufgespannt. Es tröpfelte vom Himmel. Der Reporter radelte zum NABU-Haus. Als die Kleinen dort ankamen, waren die Regenschirme wieder zugeklappt, dafür schleppte man viele Beutel und sammelte und pflückte Eicheln und Hagebutten und Kastanien. Dann wurden Bänke ins Freie geschafft. „Da drin stinkt’s“, sagten die Buben. „Das ist das Hörnergäßchen“ sagte der Hennes. „Das ist nicht ganz dicht.“ Drin stand das Fahrgestell eines Balkenrasenmähers, der wie die Geißen das Gras kurz macht, und stank nach Benzin. Dicht gedrängt wurde draußen gefrühstückt, während es vom Himmel wieder tröpfelte. Dann wurde abgeräumt, das Gelände erkundet, gesammelt und gepflückt, bis es wieder zur Schule ging. Keiner murrte.

  Aber als der Reporter und der Hennes über die landwirtschaftlich genutzten und beschmutzten Betonwege nach Bauschheim radelten und mit zunehmendem Tempo die Regentropfen immer dichter wurden, als der Reporter sich abstrampelte, während der Hennes von seiner geheimen elektrischen Hilfskraft vorwärts geschoben wurde, da fehlten dem Reporter die zivilen Wetterbezeichnungen.

  In Bauschheim gibt es auf dem Naturschutzgelände hohe und schöne Bäume, und die wurden von Wilfried Hahn, dem Vogelschnitzer, sachkundig erklärt. Und es gibt manches Interessante auf dem Naturlehrpfad. Gottfried Wellek, der Vorsitzende, erläuterte die Bienenstöcke und erzählte aus dem Leben der Bienen. Es gibt ein Feuchtbiotop und Gestrüpp und Mäuerchen, wo sich allerlei Getier versteckt und vermehrt. Die Zeit war knapp, und der Regen vermehrte sich auch. Vieles wurde den Kindern erklärt. Alles konnte man nicht behalten. Aber es blieben tiefe Eindrücke: Sie sahen, wie lebendig und vielfältig und voller Geheimnisse die Natur ist.

  Den Reporter zog es aufs Rad und in die Schule; und dort bastelten die Kleinen und wollten sofort zeigen, was sie schon gebastelt hatten. Da wurden auf feinen Draht Hagebutten aufgezogen und Eicheln und Kürbiskerne, die Frau Wechterstein extra mitgebracht hatte. „Die kann man essen“, sagte Hennes erfreut, und die Kinder probierten sie. „Meine guten Kürbiskerne“, rief Frau Wechterstein, „die braucht ihr doch für die Ketten!“

  Als bis zum Schulschluss noch Zeit war, fanden auch die Kastanien ihren Sinn. Aus Krepppapier wurden Schwänze dran geheftet, und dann flatterten sie über den Schulhof.

  Dort trafen auch die älteren Schüler ein. „Zehn Kilometer sind wir gelaufen!“ darauf waren sie stolz. Man sah es ihren Schuhen an. Niemand murrte. Die Kleinen wollten ihre übrigen Kastanien und Eicheln unbedingt nach Hause schleppen.

  War das nun ein verregneter Wandertag? Davon hatte, scheint’s, nur der radelnde Reporter etwas bemerkt.

 

Kaj Wechterstein

Schriftführer




Herbstfeuer des NABU Astheim

  Wann sollte es beginnen?

Im Terminkalender des „Blättchen“ - frühzeitig eingereicht - stand 14 Uhr.
Dann schien das den Mitarbeitern zu früh, und auf den Plakaten stand 15 Uhr.
Um 2 Uhr erschienen zwei Damen. Dietmar Sellner, der Vorsitzende, stellte ihnen eine Bank in die Herbstsonne. Hennes Mundschenk betrachtete den drei Meter hohen Holzstoß, sein höchstmodernes Kunstwerk, zum Verbrennen fast zu schade.
   Allmählich trafen die Mitarbeiter ein, Tische, Bänke und Getränkekästen wurden herbeigekarrt. Als es dreimal schlug, waren drei Bänke besetzt.

   Hennes Mundschenk reichte Selina, der Urenkelin von Margareta Schenkel, eine brennende Kerze, die diese vorsichtig an das trockene Heu im imposanten Holzstapel heranhielt. Die Heuhalme begannen zu glühen, eine kleine weiße Wolke stieg in die Höhe. Hennes führte das Mädchen auf die andere Seite des Holzgebäudes. Mutig hielt sie die Kerze unter das Heu. Ein leichter Windstoß kam zur Hilfe, Flammen loderten auf. Weißer Rauch stieg in den blauen Himmel. Das Herbstfeuer hatte begonnen – es war drei Uhr. Die Plakate hatten Recht, die in den Astheimer Geschäften von den Astheimer Geschäftsleuten freundlicher- und dankenswerter Weise ausgehängt waren.

   Und nun ging es los. Eltern, Kinder, Großeltern, Alte und Junge strömten herbei. Der Holzstapel wurde ein rotes Flammeninferno. Die Bänke mussten Meter um Meter weggerückt werden. Hitze macht durstig. Flop machten die Bierflaschen. Weit ausladend hatte der Kastanienbaum seine Früchte fallen lassen. Was macht man damit? Ulle Heck zeigte es den Kleinen. Man kann sie sammeln und dann mit Schwung in Feuer werfen. Und nun machte es auch im Feuer Flop und Flop und Flop.

   Der Feuerstoß stürzte zusammen und bildete einen glühenden Kegel. Die Bütt stand schon bereit, in der früher Schweinefutter gekocht wurde. Dietmar Sellner holte eine Schippe, setzte sich einen Schutzhelm auf und trug die Glut vom Feuer in die Bütt.

Cecilie Roth und Eva Sellner hatten sich schon Schürzen umgebunden und zogen sich Handschuhe an, Ulle hatte Teig vom Bäcker besorgt, Hennes hatte lange spitze Stöcke vorbereitet. Nun musste der Teig flach geknetet werden, damit er um die Stockspitzen gewickelt als Stockbrot über der Glut geröstet werden konnte. Das interessierte Anastasia und Fabienne. Mit geschickten Fingern formten sie kleine Fladen und wickelten sie um die Stöcke. Um die Bütt wurden bald an die zwanzig Stöcke über die Glut gehalten. Schnell war das Stockbrot geröstet und schmeckte köstlich.

   Beim Herbstfeuer erinnern sich die Älteren an die Kartoffelfeuer, bei denen das Kartoffelkraut verbrannt und darin Kartoffeln geröstet wurden. Das geht heute nicht mehr. Aber es gab vorgegarte Kartoffeln. Sie wurden in Alufolie gewickelt, kamen - eine Schippe voll - ein paar Minuten in die Glut, und dann schmeckten sie fast wie früher. Butter und verschiedene Quarksorten standen bereit. Das war etwas für Erwachsene. „Ich glaub’, ich hab’ ein’n Kartoffelbauch. Ich brauch’ noch ein Bier, “ Willi klopfte auf seine Mitte.

   Hinter der Hecke steht auf dem Baumstück des NABU ein großer Baum mit bunten Äpfeln. Auch die kann man rösten. Bratäpfel nannte man das früher. Puderzucker drauf, in Alufolie gewickelt sahen sie aus wie silberne Weihnachtskugeln. In der Glut öffneten sie sich von selber: eine prima Nachspeise.

   Um Käthe Breideband und Gesine Wechterstein, den Bastelfrauen, hatte sich ein Kreis von Kindern gebildet. Da wurde Krepppapier in Streifen geschnitten, und wer eine Kastanie hatte, durfte mit einem Nägelchen den Streifen als Schwanz an der Kastanie befestigen. Nun flatterten kleine Kastaniendrachen über die Herbstwiese. Sabrina übte den Opa zu treffen und traf die Oma. Es ist schön, wenn sich bei einem solchen Fest Jung und Alt treffen, so oder so.

   Das war ein Fest, das ganz von selber lief. Ohne großes Aufsehen sahen die Mitarbeiter des NABU Astheim nach dem Rechten. Der Reporter, dessen Rad am Margareta-Schenkel-Haus lehnte, umkreiste die Gesellschaft und versuchte zu zählen. Bei 44 Erwachsenen und 33 Kindern hörte er auf, denn es drehte sich ihm der Kopf. Und was ein Reporter schreibt, ist ja immer richtig.

   Mit der Dämmerung leerte sich der Platz. Die Mondsichel leuchtete durch das Herbstlaub. Die Mitarbeiter, der harte Kern, saßen um die Glut.  Die Blicke gingen zu den Sternen. Die Gespräche wurden philosophisch und theologisch.
Doch:

Vom Kirchturm schlug es zehn.

Da ward es Zeit zum Geh’n. 

 

Kaj Wechterstein