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NABU - T r e f f
21. Juni,  Montag    19:00 Uhr Margareta-Schenkel-Haus 

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NABU HESSEN-PRESSEMITTEILUNG  |  NR 45/21  |  25. MAI 2021

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Vogelschutz / Jungvögel

 

Bettelnde Jungvögel am Boden nicht einfach mitnehmen

NABU Hessen warnt: Falsche Tierliebe schadet dem Vogelnachwuchs

 

Wetzlar – Mit dem Frühling nimmt auch die Brutsaison an Fahrt auf. Inzwischen kümmern sich Amseln und Meisen um ihren ersten piependen Nachwuchs und suchen in Gärten, Parks und auf anderen Grünflächen nach proteinreichem Futter, etwa nach Würmern und Insektenlarven. Den NABU erreichen im Frühjahr viele Anfragen von besorgten Tierfreund*innen, die scheinbar verlassene Jungvögel entdecken. „Unser Rat lautet eigentlich immer: Erst beobachten, dann eingreifen. Die unerfahrenen und im Fliegen noch ungeübten Vogeljungen wirken auf den ersten Blick oft hilflos. Sie aufzunehmen ist jedoch meist falsch verstandene Tierliebe“, sagt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen. Der Biologe rät: „Lassen Sie die halbflüggen, befiederten Jungvögel, so genannte Ästlinge, erstmal sitzen. Sollte nach 20 Minuten kein Elternvogel auftauchen, liegt es vielleicht daran, dass wir zu dicht dran sind und sie sich nicht zu ihren Jungen trauen. Also lieber noch etwas Abstand nehmen und weiter abwarten.“ Tatsächliche Hilfe benötigen befiederte Jungvögel nur, wenn nach mehreren Stunden immer noch keine Altvögel in seiner Nähe zu sehen sind.

 

Bettelrufe halten den Kontakt zu den Eltern

Damit keine Tiere aus der Natur versehentlich entnommen werden, die topfit sind, stellt der Landesvorsitzende klar: „Das herzzerreißende Rufen von scheinbar verlassenen Jungvögel in Gärten und im Wald sind keine Hilfe- sondern Bettelrufe. So halten die Vogeljungen Kontakt zu ihren Eltern. Sie halten sich in der näheren Umgebung ihres verlassenen Nests auf und werden dort weiter von den Altvögeln gefüttert.“ Greift der Mensch in dieser sensiblen Phase ein, unterbricht er die Bindung zwischen Alt- und Jungvogel. Nur wenn Jungvögel an gefährlichen Orten wie Straßen und Gehwegen sitzen oder akut von Katzen bedroht sind, sollte man sie vorsichtig aufheben und ins nächste Gebüsch setzen. Anders als bei Rehkitzen nehmen Vogeleltern ihre Jungen wieder an, wenn diese von einem Menschen berührt wurden.

 

Wenn nötig Helfen – aber richtig

„Wer helfend eingreifen will oder muss, sollte sich immer bewusst sein, dass Jungvögel Wildtiere sind, denen nur in einem Notfall geholfen werden darf. Ansonsten wäre dies ein Verstoß gegen das Naturschutzgesetz“, erläutert Gerhard Eppler. Denn laut Bundesnaturschutzgesetz dürfen Jungvögel nur vorübergehend und nur dann aufgenommen werden, wenn sie verletzt oder krank, und somit tatsächlich hilflos sind. Der Biologe weist darauf hin, dass Jungvögel, die mit nach Hause genommen werden, selbst bei fachgerechter Pflege deutlich schlechtere Überlebenschancen haben als in der Natur. Die elterliche Fürsorge in der Naturaufzucht kann niemals ersetzt werden, so dass die Handaufzucht immer nur die zweitbeste Lösung ist. Nur bei deutlich geschwächt wirkenden oder wirklich verwaisten Vögeln ist die Handaufzucht zu empfehlen, wie auch in Fällen, in denen durch Unwetter, Baumaßnahmen oder dergleichen der Nistplatz zerstört ist.

Eine hilfreiche Faustregel zu Jungvögeln: „Nestlinge“, also Jungvögel ohne Federkleid, oder nur mit leichtem Flaum, die noch nicht aktiv auf ihren Füßen stehen können sind außerhalb des Nestes hilflos. Sie sollten schnellstmöglich zurück ins Nest und nur, wenn das nicht möglich ist in eine Pflegestation. „Ästlinge“, also flächendeckend befiederte Jungvögel, die bereits aktiv auf ihren Füßen stehen können werden von ihren Eltern auch außerhalb des Nestes versorgt und sollten nur mitgenommen werden, wenn sie verletzt sind.

Pflege bitte nur bei Fachleuten

Gut gemeinte erste Hilfe bei den Jungvögeln kann sich schnell dramatisch auf deren Überlebenschancen auswirken. Daher rät der NABU die Tiere möglichst nicht zu füttern und ihnen auf gar keinen Fall unter Zwang Flüssigkeiten zu verabreichen. Die Tiere sollten an einem ruhigen Ort in einem Karton mit Luftlöchern untergebracht werden. Dabei sollte man ihnen mit einem Handtuch ein kleines Ersatznest formen und eine Wärmflasche (max. 38°C) als Wärmequelle so platzieren, dass der Vogel keinen direkten Körperkontakt mit der ihr hat. Anschließend sollten die Finder*innen möglichst schnell eine anerkannte Auffang- und Pflegestation kontaktieren. Nur dort kann die tiergerechte Aufzucht gewährleistet und die Gefahr der Fehlprägung auf den Menschen minimiert werden. Auffang- und Pflegestation in Ihrer Region können bei den Naturschutzbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte oder auch bei Tierärzt*innen oder Tierschutzvereinen erfragt werden. Bitte beachten Sie, dass es sich bei den Betreiber*innen der Auffang- und Pflegestationen in der Regel um ehrenamtliche Arten- bzw. Tierschützer handelt, die sich in Ihrer Freizeit um verletzte Tiere kümmern und über begrenzte räumliche Kapazitäten verfügen. Ein Anspruch auf Aufnahme der Tiere besteht daher nicht.

 

So verhelfen Sie Jungvögeln zu einem guten Start ins Leben

Wer Gartenvögeln helfen möchte ihre Jungen erfolgreich aufzuziehen, der sollte auf einen gut strukturierten, naturnahen Garten mit reichlich natürlichen Futterquellen achten. Verstecke in Stauden oder dichtes Gebüsch (gerne auch mit Stacheln und Dornen) bieten sichere Rückzugsorte vor Greifvögeln und Katzen. Wer Katzen hält, sollte diese, wenn im Mai und Juni warnende Altvögel und ausgeflogene Jungvögel zu beobachten sind, nicht nach draußen lassen. „Zumindest sollten Sie drauf achten, dass sich Ihre Katze von Mitte Mai bis Mitte Juli in den Morgenstunden nicht im Freien aufhält. Damit wäre den Vögeln schon sehr geholfen, denn dann sind die meisten gerade flüggen Jungvögel unterwegs“, rät Gerhard Eppler. 

 

 

Mehr Infos:

NABU-Infoseite zu verwaisten Jungvögeln

Suchhilfe für Pflege- und Auffangstationen

Tipps zur Unterstützung der Gartenvögel in der Brutzeit

Tipps für einen vogelfreundlichen Garten

Tipps für Katzen- und Vogelfreund*innen

 

Für Rückfragen

Dr. Kathrin Kaltwaßer

Referentin für Umweltkommunikation

Tel.: 06441-67904-18

Mobil: 0170-2256343 


Vogel des Jahres 2021 Rotkehlchen

Mehr wilde und giftfreie Gärten für Rotkehlchen

NABU Hessen: So fühlt sich der Vogel des Jahres bei uns wohl  

 

Wetzlar – Klein, rund und knopfäugig: das Rotkehlchen ist der Vogel des Jahres. Weil der zutrauliche Vogel gerne in unseren Gärten lebt, kann gerade jetzt zum Start der Gartensaison jeder etwas für den gefiederten Sympathieträger tun. Der Bestand des mit 3,4 bis 4,3 Millionen Brutpaaren achthäufigsten Vogels in Deutschland ist derzeit nicht gefährdet. Damit das so bleibt, rufen die Naturschützer auf, Gärten, Parks und Wälder möglichst naturnah und damit „rotkehlchenfreundlich“ zu gestalten und bewirtschaften.

 

„Die sympathische Federkugel mit der roten Brust ist bundesweit verbreitet. Daher kommen Rotkehlchen praktisch in jedem Garten vor“, sagt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen. „Diese Art ist sehr territorial. Das heißt, ein Vogel besetzt mit seinem Partner ein bestimmtes Gebiet und verteidigt es gegen Artgenossen. Man sieht also immer dieselben Vögel und hat sozusagen seinen ganz persönlichen Vogel des Jahres im Garten.“ Häufig könne man erleben, dass ein Rotkehlchen beim Umgraben neugierig zuschaue und ganz nah herankomme. Eppler: „Der Vogel weiß, dass wir bei der Gartenarbeit Leckerbissen für ihn freilegen. Diese Verhaltensweise dürfte zur Beliebtheit und zum Sieg des Rotkehlchens bei der ersten öffentlichen Wahl zum Vogel des Jahres wesentlich beigetragen haben.“

 

Die richtige Umgebung

Rotkehlchen als Insektenfresser lieben Vielfalt, zum Beispiel wilde Ecken und scheinbare Unordnung im Garten. Sie brüten in der Regel bodennah in Stängel- und Asthorsten, Holzstapeln, sogar Erdlöchern, Nischen in Mauerwerk und anderen geschützten Plätzen, mitunter sogar in Halbhöhlen-Nistkästen, wenn diese versteckt und niedrig angebracht werden. „Aber entscheidend für das Rotkehlchen ist die breite Nahrungsgrundlage – je vielfältiger, blüten- und deckungsreicher und damit insektenfreundlicher ein Garten ist, desto größer ist die Chance, dass sich dort ein Rotkehlchen ansiedelt“, fasst Gerhard Eppler zusammen. „Auch, wenn der Bestand des Rotkehlchens derzeit nicht gefährdet ist, sollten wir uns nicht in trügerischer Sicherheit wiegen“, mahnt der Naturschützer. Auch dieser Art machten die galoppierende Ausräumung der Landschaft, der Verlust an artenreichen Wegsäumen und Waldrändern, der Landschaftsverbrauch durch Überbauung und auch die Bejagung dieses „Teilziehers“ im Süden Europas zu schaffen, wie der NABU-Mitarbeiter unterstreicht.

 

Ein reich gedeckter Tisch

„Wer dem Rotkehlchen helfen will, kann dies auf vielfache Weise tun; im eigenen Garten oder Kleingarten sollten möglichst nur heimische Bäume, Sträucher und Stauden gepflanzt werden, damit die Rotkehlchen und andere Piepmätze ausreichend Nahrung und Deckung finden. Besonders gut geeignet sind ein paar ‚wilde Ecken‘, zum Beispiel aus Reisighaufen, locker aufgeschichtet, und gern auch von Stauden oder Wildkräutern umstanden – da darf dann auch schon mal die Brennnessel oder die Knoblauchsrauke hochkommen. Denn immer folgen auch Insekten – das Büffet der Rotkehlchen ist dann reichlich gedeckt“, sagt Gerhard Eppler. Der Verzicht auf Gift sollte sich von selbst verstehen, denn Pestizide töten seine Nahrung. Außerdem braucht das Rotkehlchen offene Böden. Ganz schlecht sind daher Schottergärten und Kunstrasen. Dort kann der Jahresvogel nicht leben, weil er kein Futter findet. Und wo es nichts zum Fressen findet, macht es schnell den Abflug. 

 

Ein gemütliches Eigenheim in Bodennähe

„Wer es versuchen möchte, dem Rotkehlchen einen Nistkasten anzubieten, sollte auf eine so genannte Halbhöhle zurückgreifen, die mit etwas Geschick aus Holz selbst gebaut oder aus dem sehr bewährten und witterungsbeständigen Material Holzbeton im Fachhandel gekauft werden kann. In diese Halbhöhlen ziehen mitunter auch andere ‚Mieter‘ wie Grauschnäpper, Sperlinge, Rotschwanz oder Bachstelze ein, deshalb sollten sie, wenn sie gezielt für das Rotkehlchen angeboten werden sollen, in nur mittlerer Höhe angebracht werden, am besten etwas ‚versteckter‘, und vor allem so, dass er von Katzen nicht so leicht erreicht werden kann“, beschreibt der Naturschützer den praktischen Schutz für das Rotkehlchen. Immer wieder wird auch von Rotkehlchenbruten in abgelegenen Ecken von Schuppen und Carports berichtet. „Einmal brüteten sie sogar in einer offenstehenden Mülltonne, ein anderes Mal in einem Werkzeugkasten. Bei mir brüteten sie im vergangenen Jahr im Türkranz und haben meinem Enkel damit eine riesen Freude gemacht“, erinnert sich Eppler und rät: „Wenn Bruten in Gebäuden festgestellt werden, sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass ein Fenster oder eine Tür offensteht, damit die Tiere ungehindert aus- und einfliegen können.“ Zur Brutzeit – insbesondere Ende April bis Ende Juni, wenn die Jungen flügge werden, sollten Sie Katzen am frühen Morgen und Vormittag nicht aus dem Haus lassen. Rotkehlchen brüten in offenen Nestern im Gebüsch und sind darum leichte Beute. Selbst die bloße Anwesenheit von Katzen kann Eltern davon abhalten, ihre Jungen zu füttern.

 

Der Jahresvogel ist aber nicht nur in Gärten und Parks zuhause. „Zwei Drittel aller Rotkehlchen leben im Wald. Darum erfordert diese Art eine naturnahe Waldbewirtschaftung“, so Eppler. „Strukturreiche Wälder mit einer Strauchschicht und viel Totholz am Boden sind ideal.“

 

Das Rotkehlchen ist der erste öffentlich gewählte Vogel des Jahres. Es hat mit 59.267 Stimmen (17,4 Prozent) vor Rauchschwalbe und Kiebitz das Rennen um den Titel unter den verbliebenen zehn Stichwahlkandidaten gemacht. Insgesamt über 455.000 Menschen beteiligten sich an der Wahl. Das Rotkehlchen trägt nun zum zweiten Mal nach 1992 den Titel.

 

Mehr Infos:

Kostenfreie Pressebilder

Artenporträt Rotkehlchen

Tipps für den vogelfreundlichen Garten

Nisthilfen für Rotkehlchen