Wetzlar – Wer in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden an Flüssen und Bächen unterwegs ist, kann derzeit mit etwas Glück eine ganze Biberfamilie beobachten. Der Sommer ist
für die größten Nagetiere Europas eine besonders wichtige Zeit, denn jetzt ziehen sie ihre Jungen groß. „Biber sind ein tolles Beispiel für Teamwork und vorbildliche
Arbeitsteilung bei der Jungenaufzucht“, erklärt Maik Sommerhage, Landesvorsitzender des NABU Hessen. „Die Eltern kümmern sich gemeinsam um den Nachwuchs, und auch die Jungtiere
des Vorjahres helfen mit, die kleinen Geschwister zu bewachen und zu versorgen.“ Durch ihre Bautätigkeit gestalten Biber ihren Lebensraum aktiv um und schaffen Teiche,
Feuchtgebiete und neue Lebensräume für zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten. „Biber sind echte Landschaftsarchitekten und leisten einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt
und zur Verbesserung der Wasserqualität“, so der Landesvorsitzende.
Echte Familientiere
Die Biberjungen kommen meist im Mai oder Juni zur Welt und bleiben zunächst gut geschützt in der Burg, wo sie von der Mutter gesäugt werden. Bereits nach wenigen Wochen beginnen
sie, erste feste Nahrung wie Wasserpflanzen und weiche Kräuter zu fressen. Im Sommer erkunden die Jungtiere unter der wachsamen Aufsicht ihrer Eltern und älteren Geschwister das
Revier, schwimmen fleißig im Wasser und lernen die Wege rund um den Bau kennen.
Neben der Aufzucht der Jungen nutzen Biber den Sommer, um ihre Dämme und Burgen instand zu halten, neue Nahrungsstellen zu erschließen und ihr Revier zu pflegen. Auf dem
Speiseplan stehen jetzt vor allem Wasserpflanzen, Gräser, Kräuter und die Blätter junger Weiden und Erlen. „So fleißig Biber beim Damm- und Burgenbau sind, wenn es um die
Verpflegung geht, zeigen sie sich eher als lauf faul. In der Regel bedienen sie sich nur an Futterquellen in unmittelbarer Gewässernähe, weiter als 20 Meter gehen sie nur im
Notfall. Daher werden Feldfrüchte eigentlich nur gefressen, wenn Äcker sehr ufernah liegen und das sonstige Nahrungsangebot minimal ist“, erläutert Sommerhage.
So klappt der Einblick in den Bibersommer
Wer Biber in der Natur beobachten möchte, sollte sich leise verhalten, Abstand halten und die Tiere nicht stören. Mit Geduld kann man dann erleben, wie die ganze Familie gemeinsam
das Revier erkundet und sich auf die Abendmahlzeit vorbereitet. Wer einen Biber beobachtet, kann das gerne über die neue Biber-App von NABU|naturgucker melden. Jede Meldung trägt
dazu bei, mehr über den Biber und sein Verhalten hier in Hessen zu erfahren“, so Sommerhage. Mit der Biber-Meldeapp von NABU|naturgucker können Sichtungen von Bibern und seinen
Spuren ganz einfach online gemeldet werden. Durch diese Meldungen entsteht ein detailliertes Bild des Biberbestandes in Hessen. Auf der Aktionsseite der Meldeapp können sich
Interessierte außerdem informieren, wie man Biber, Nutria und Bisam unterscheiden kann.
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