25.03.2019

Nistkästen Grundschule Astheim

Seit 10 Jahren hämmert es im März in der Grundschule am Hollerbusch. Im NABU-Haus hatten Klaus Brod und Hans-Lorenz Heck Nistkastenteile zurechtgeschnitten und gelöchert. Dietmar Sellner erklärte den 13 Drittklässlern die Aktion. 13 Hämmer bilden eine stattliche Lärmkulisse, was aber den Kindern wenig ausmacht. Paarweise hämmert Einer und der oder die Andere hält. Verletzungen gab es nicht, aber bei der Zusammensetzung der Teile war manches Paar voreilig, und da kam die Zange zum Zuge. Gesine Wechterstein hatte große und kleine Pinsel und große und kleine Farbtöpfchen mitgebracht. Grün sollten die Vogelhäuschen werden, aber das nicht zu dick aufgetragen. Das erfordert Zurückhaltung, und das fällt Achtjährigen nicht leicht. Zur Pause waren die Häuschen grün, und nach der Pause war individuelle Bemalung und Betupfung gefragt, damit die geflügelten kleinen Bewohner ihr Eigenheim sofort erkennen konnten.

Eine Woche später waren die Viertklässler dran und ihre Nistkästen. Die meisten ihrer Nistkästen hingen zu Hause. Aber einige hingen um die Schule und waren das Jahr über beobachtet worden. Zwei waren auch schon wieder bezogen. In anderen waren Reste kleiner Eier. Dann wurden vier Nistkästen vom vorigen Jahr ausgetauscht gegen solche von diesem Jahr.

 All diese Aktionen werden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des NABU-Astheim durchgeführt. Sie sind zwischen (fast) siebzig und 83 Jahre alt. Es ist jedes Mal ein Erlebnis, das jung hält. Die Kinder sind bei allem mit ihrem ganzen Temperament und mit großer Neugier dabei. Und wenn man sich später in Astheim trifft, wird fröhlich hin und her gewunken. 
Kaj Wechterstein


05.07.2019

Vogelstimmenwanderung

Es war ein eiskalter Maimorgen, als sich 20 Vogelfreunde pünktlich um 7 Uhr zum Rundgang um Astheim trafen. Dietmar Sellner begrüßte sie und konnte gleichzeitig auf die Nachtigall - unsichtbar, aber nicht überhörbar - hinweisen, die sich dieser Begrüßung anschloss. Durch den Rundgang führte Bodo Friedrich, ehemals Lehrer im Rüsselsheimer Immanuel-Kant-Gymnasium. Er tat das mit scharfem Auge, gutem Gehör und gutem Gedächtnis für lateinische Vogelnamen und ihre Bedeutungen. Für die Vögel war es ein zu früher oder zu kalter Morgen. Sie hielten sich zurück. Aber dann hörte man es aus den Pappeln, die Mönchsgrasmücke und zart Zilp-Zalp. Im Schilf meldete sich pünktlich der Teichrohrsänger. Und als wir vom Wiesenweg aus am Waldrand das Storchennest auf dem hohen Baumstumpf ausmachten, erhob es sich aus der Wiese mit weiten, schwebenden Flügelschlägen:  die Rohrweihe mit 140 cm imposanter Flügelweite. Männchen und Weibchen bauten da ein Nest. Nun ging es zum Schwarzbach und es wurde munterer: der Fitis und der Pirol, der bunte Stieglitz und hinterm Schwarzbach endlich der Kuckuck und der Kiebitz. Aus dem Berliner Viertel war Dietmar Sellner eine Waldohreule mit Jungem gemeldet worden. Und sie saß tatsächlich noch auf dem gemeldeten Baum.

Nach dieser Überraschung ging es rasch zum NABU-Haus, wo der Holzofen wärmte und Ulle Heck den Imbiss vorbereitet hatte. Dietmar Sellner konnte einschließlich eines Hahnes 43 Vogelarten verlesen. Der Gang am frühen Morgen hatte sich gelohnt.

Kaj Wechterstein verlas dann eine Dankesrede anlässlich des 25. Jubiläums (1999) von Margareta-Schenkel. Da hatte das Storchenpaar 5 Junge, und es gab das Schwarz- und das Blaukehlchen noch. In unserer Zeit gehen auch die Schwalben zurück. Nur zwei Rauchschwalben und eine Mehlschwalbe waren gesehen worden. Wo gibt es noch Schwalbennester? Das wollen die Astheimer NABU- und Schwalbenfreunde in den nächsten Wochen erkunden.

Kaj Wechterstein   


26.05.2019

Botanische Erkundung

Es schlug achtmal am Sonntag früh, als der Biologe vom NABU-Trebur, Ingmar Stelzig, die Runde von zwanzig Personen vor dem Margareta-Schenkel-Haus zur botanischen „Erkundung“ begrüßte. Er begann mit einer erdgeschichtlichen Betrachtung anhand einer 4,60 m langen Schnur, die 460 Millionen Jahre Entwicklung des Lebens auf der Erde darstellen sollte. Es musste allerlei geschehen, bis schließlich die Pflanzenwelt sich ausbreiten konnte, und für den Homo sapiens und seine Entwicklung war kaum Platz auf der Schnur.
Zur botanischen Erkundung brauchte Ingmar Stelzig nur nach rechts zu greifen, um einen Nelkenwurz zu pflücken, der bei intensivem Schnuppern den Geruchssinn animierte. Nachdenklich hörte man dabei von der Entwicklung von Nacktsamern zu Bedecktsamern.

Das nächste Ziel war die Streuobstwiese hinter dem NABU-Haus, wo das Gras ½ m hoch gewachsen war und vorbildlich nicht gemäht war. Hinter der Bezeichnung Gras verbirgt sich eine Vielzahl von Gräsern und Gewächsen, die wiederum einer Vielzahl von Insekten und Raupen Lebensraum bieten, und die wiederum bieten der Vogelwelt Nahrung: ein kleiner Kosmos. Aber dieser Kreislauf wird zerstört, wenn die Wiesen früh und mehrfach gemäht werden. Diese unbehandelte Wiese wird von der Natur selber gepflegt. An den Grasstengeln ranken sich Zaunwinden oder breitblättrige Platterbsen nach oben zum Licht.

An einem Acker mit gleichförmigem Bewuchs vorbei ging es zu einer gepachteten Wiese voll Blütenpracht, weil der Pächter seit Jahren die Blüten aussamen lässt und deren bunte Vielfalt den Bienen so zur Nahrung dient. Die Bienen aber werden von der Natur überlistet, indem sie dabei auch zur Bestäubung der Blüten beitragen. Dazu führte Ingmar Stelzig beim Wiesensalbei einen raffinierten, ausgeklügelten Klappmechanismus vor.

Die neugierige Zuschauergruppe erlebte, wieviel die Natur auf kleinsten Flächen zu bieten hat, zu entdecken und zu bewundern. Rosafarbene Esparsetten, die nicht nur kleine Mädchen anziehen oder der gelbe Klappertopf, der nach seinen Samen in den reifen Kapseln heißt. Es waren nur wenige Meter hinter dem Margareta-Schenkel-Haus, die dem Biologen Ingmar Stelzig eine Fülle wunderbaren Darstellungsmaterials boten. Dankbar und fröhlich traf man sich im NABU-Haus, wo Ulle Heck einen reichhaltigen Imbiss vorbereitet hatte, und wo Zeit blieb, das Gehörte und Gesehene zu besprechen.

Kaj Wechterstein


17.06.2019

Das Margareta-Schenkel-Haus war bei diesem Treff mit 25 Besuchern - nicht nur aus Astheim sondern auch aus den umliegenden Ortschaften - voll besetzt. Dietmar Sellner freute sich über die Gäste und die schwalbenkundige Ruth Ortwein des NABU-Kreisverbands aus Walldorf.

 Schwalben waren und sind sympathische Vögel, und sie markieren bei uns sympathische Jahreszeiten. Aber sie sorgen auch für Konflikte:  die schlanke Rauchschwalbe benutzt seit eh Stallungen für ihren Nesterbau, aber sie versteht nichts von Hygienevorschriften der EU. Die Mehlschwalben bevorzugen helle und raue Außenwände. Und mag die Schwalbe auch noch so sympathisch sein. Ihr Nest ist es vielen Hausbesitzern nicht. Aber Schwalbennester sind geschützt. Ruth Ortwein kennt dieses Konfliktfeld, und empfiehlt unbedingt die diplomatische Lösung auch um der Schwalben und der Schwalbennester willen. Außerdem gibt es künstliche Nester. Hier haben die Schwalben ihre eigenen Meinungen. Es braucht Zeit - über Jahre.

 Nicht jeder Standort gefällt. Schwalben lieben die weite Sicht als Anflugmöglichkeit. Sie lieben den Dachvorsprung als Schutz. Sie lieben auch die Geselligkeit. Bei Barbara Fuchs sind es neun Nester nebeneinander: neun Reihenhäuser und alle Eigenbau der Schwalben. Da geht es nicht immer friedlich zu. Es gibt Streit innerhalb der Familien. Gefährlich sind auch Räuber: Sperber, Elstern, Marder.

Ruth Ortwein zeigt ein Glas voll kleiner Eierschalen. Drei oder vier Eier werden zwei bis drei Wochen lang bebrütet. Zwei oder drei Junge werden etwa 8000 mal gefüttert, das sind 250.000 Insekten! Ulle Heck hat im alten Astheim ca. 60 Schwalbennester gezählt. Was wird da in diesem Sommer verfüttert! Das lässt staunen.

Aber die Natur braucht die Insekten. Zoologie und Botanik gehört zusammen. Alfred Kunert hat den Lebensraum von Mensch und Tier ein Leben lang beobachtet und wies auf die Verödung des Landschaftsraums durch einseitigen Anbau und Ausbau hin. Stefan Metzger vom Roederhof sorgt auch für die Rinder und ihre Weiden des NABU Trebur. Sie bleiben draußen durch alle Jahreszeiten und durch den Wandel der Natur. Das gibt nicht nur eine besondere Fleischqualität, sondern ein Universitätsbiologe hat hier einzigartige Käferarten entdeckt. Und die Vögel tun das auch.

So ging das Gespräch von Flora und Fauna unserer Heimat bis hin zu den Schwalben, die hier das Licht von Astheim erblicken und bis zu ihrer Reise über 10.000 km nach Afrika hin. 

Frau Ruth Ortwein wurde sehr herzlich gedankt für diese bebilderte Schilderung der Schwalbenwelt. Das regte an und gab Zeit für eigene Gedanken und Einfügungen der Teilnehmer. Sie zeigte, wie interessant die Beobachtung dieser Vögel ist und dass die Welt unserer kleinen Schwalben eine weite, eine globale Welt ist. 

Kaj Wechterstein


26.10.2019

Wenn der Rauch aufsteigt - Herbstfeuer

Pünktlich mit dem Glockenschlag um drei wurde auch dieses Jahr der Turm aus Paletten einer Astheimer Firma mit finnischer Birkenrinde und Erzeugnissen der hiesigen Presse entzündet. Zuschauer kamen aus allen Richtungen mit Kinderwagen und Rollatoren, per Rad und per Pedes.
Die Flammen erfassten schnell das ganze Gebilde. Am Parkrand waren auf Klapptischen sieben Sorten Quarkspeisen aufgereiht: Tsatsiki und Kräuterquark, Spuntekäse, Gorgonzola mit Tomaten. Als das Feuergebäude zusammenstürzte, lud Barbara Fuchs ein: „Es ist angerichtet“.

Nun konnten Kartoffeln geröstet werden. An einem anderen Tisch waren klein und groß damit beschäftigt, Kastanien mit Kreppschwänzen zu versehen, Wurfgeschosse, die dann bunt durch die Luft flatterten.

Der Oktober zeigte sich von seiner sonnigen Seite. Und die Stimmung war fröhlich und friedlich. Als das Feuer die nötige Glut lieferte, setzten sich Dietmar Sellner und Hans-Lorenz Heck Feuerwehrhelme auf und schippten Glut in zwei Eisenbütten. Über ihrem Rand wurde nun Stockbrot geröstet.

Etliche Väter ragten aus der Menge heraus, wie sie ihre Sprösslinge auf den Schultern präsentierten. Es war Samstag, und man hatte Zeit für die Familie. Die Kinder zu zählen war kaum möglich, denn sie sausten überall zwischen Tischen und Bänken hin und her. Es gab kein Geschrei und keine Tränen.

Als die Schatten länger wurden, leerte sich der Platz. Und als alles wieder eingeräumt war und das Feuer nur noch vor sich hin glühte, sammelte sich der harte Kern des NABU im angestammten Margareta-Schenkel-Haus. Man war glücklich über die Erfahrung, die sich auch dieses Jahr wiederholt hat: friedliche Stimmung und friedliche Gespräche zwischen Jung und Alt, zwischen Bekannten und Unbekannten: das ist möglich!

Und als Hans-Lorenz die Spendendose leerte: wenig Hartgeld und viele Scheine. „Jetzt kann Weihnachten kommen“, sagte Gertrud. 
Kaj Wechterstein